Archiv der Kategorie: Seminar WS 2010/11

Kritische Psychologie Lesekreis – 2011

Der Lesekreis Kritische Psychologie Hamburg geht 2011 in die nächste Runde. Wir möchten uns nun den Themen „Antirassismus“, „Lernen“ und „Sozialisation“ widmen, nachdem wir uns im ersten Teil des Semesters mit einer Einführung und dem kritisch-psychologischen Verständnis von „Emotionalität“ beschäftigt haben.

Zu den Themen:

  • Antirassismus: Im Aufsatz „Antirassistische Erziehung“ nähert sich Klaus Holzkamp dem Themenkomplex Rassismus bzw. Antirassismus an. Hier werden nicht nur Beschränkungen einer auf „Einstellungsänderung“ zielenden Bildungspraxis deutlich, sondern auch ein kritisch-psychologisches Verständnis von rassistischen Denkformen und Handlungen entfaltet, das die strukturell rassistischen gesellschaftlichen Bedingungen konsequent in die Analyse einbezieht.
  • Lernen: Im Text „Lehren als Lernbehinderung“ geht es um das kritisch-psychologische Verständnis von Lernen. Hier werden Grundbegrifflichkeiten geklärt und zentrale Fragestellungen einer kritischen Bildungstheorie aufgeworfen.
  • Sozialisation: Im Aufsatz „Kolonisierung der Kindheit“ kritisiert Klaus Holzkamp den in der Psychologie und verwandten Wissenschaften verbreiteten Rückgriff auf „die Sozialisation“ zur Erklärung gegenwärtiger Handlungen von Menschen. Demgegenüber betont Holzkamp die Notwendigkeit eines Konzeptes von Subjektivität, das gegenwärtige Bedingungen, unter denen Menschen leben, mit in die Betrachtungen einbezieht.

Organisatorisches:

  • Termine: In der letzten Dezembersitzung haben wir besprochen uns in den kommenden Wochen (vom 05.01. bis 09.02.) *wöchentlich* zu treffen, damit wir mehr Zeit haben die teils doch recht komplexen Texte ausführlich zu besprechen und hieran anschließende Diskussionen zu führen.
  • Literatur: Wir werden daher in jeweils zwei Sitzungen einen Text zum Thema besprechen. Den Text zum Thema Lernen findet ihr in Kürze online auf dem Kritische-Psychologie-Hamburg-Blog verlinkt, wir werden zudem die Literaturangaben zu den beiden anderen Themen ergänzen. Zu den Texten gibt es bereits Kopiervorlagen. Sie werden über den Newsletter versandt bzw. an Interessierte verschickt.
  • Ort: Wir treffen uns zudem weiterhin Mittwochs im Raum 209 am Pädagogischen Institut der Uni Hamburg (Von-Melle-Park 8). Los geht es wie gewohnt um 18 Uhr.

Weitere Informationen:

Überblick: Themen und Literatur des Seminars | Weitere Termine | Kontakt zur Vorbereitungsgruppe

Advertisements

Aktuelles zum Lesekreis

Termin und Ort: Nach der Einführungsveranstaltung wird der Lesekreis im Zweiwochentakt stattfinden (jeweils am 1. und 3. Mittwoch im Monat um 18 bis 20 Uhr). Wir treffen uns im Pädagogischen Institut (PI) der Universität Hamburg (Uni-Campus, Von-Melle-Park 8) im Raum 209.

Ablauf und Ziel des Lesekreises: Im Seminar werden wir vorher bekannt gegebene Texte besprechen, um dann in eine allgemeinere Diskussion überzugehen. Wir haben uns dazu entschlossen in diesem Lesekreis verschiedene Themenfelder der Kritischen Psychologie anzuschneiden, um den Teilnehmer*innen zunächst einen Überblick zu geben. Die angesetzten Termine sollen einen Einstieg in die Kritische Psychologie bieten, der vielleicht zur intensiveren Auseinandersetzung anregen kann.

Inhalte und Literatur: Die November-Termine werden sich mit zwei einführenden Texten beschäftigen:  Zunächst am 03.11.  ein Interview, das Klaus Holzkamp der ‚Psychologie Heute‘ gegeben hat und am 20.11.  ein weiterer Text Holzkamps, der in die Grundbegriffe der Kritischen Psychologie einführt. Im Dezember  werden wir uns dem Thema Emotionalität widmen. Die Themen der weiteren Termine im Januar und Februar wollen wir zusammen mit den Teilnehmer*innen im Verlauf der ersten Sitzungen festlegen.

Weitere Informationen:

Überblick: Themen und Literatur des Seminars | Weitere Termine | Kontakt zur Vorbereitungsgruppe

Eine Einführung in die Kritische Psychologie – Auftakt zum Seminar am 27.10.

Eine zentrale Frage der Kritischen Psychologie ist, wie der Mensch seine Handlungsfähigkeit bezüglich der Verfügung über seine Lebensbedingungen erweitern kann. Der Handlungsspielraum des Menschen wird als stets durch äußere und innere Umstände begrenzt gesehen. Die kritische Psychologie geht aber davon aus, dass der Mensch in dieser Begrenzung stets eine Möglichkeit habe über sein Handeln zu entscheiden. Je bewusster dem Subjekt dieser Rahmen und die Gründe seines Handels seien, desto größer könne sein Entscheidungsspielraum werden.

Die Kritische Psychologie entwickelte sich Ende der 60er Jahre an der Freien Universität Berlin aus einer grundlegenden methodischen und inhaltlichen Kritik an der herkömmlichen universitären Psychologie. In dieser würde der Mensch von seinem konkreten Leben, seinen gesellschaftlichen Lebensumständen losgelöst, zu einem möglichst durchschnittlichen Probanden gemacht. Dies reduziere den Menschen zu einem Versuchs-„Organismus“ und könne deshalb keine Erkenntnisse über den wirklichen Menschen in der gesellschaftlichen Wirklichkeit bringen. Weiter würde diese fehlende Einbeziehung der historisch gewordenen gesellschaftlichen Verhältnisse zu einer Naturalisierung der psychischen Verfasstheit bzw. der Handlungsweisen der Menschen und damit der gesellschaftlichen Verhältnisse führen. Die sich objektiv gebenden Wissenschaften seien gerade durch diese Auslassungen parteilich für die Erhaltung der bestehenden Gesellschaftsverhältnisse.

Die Kritische Psychologie bezieht sich auf die von Marx entwickelte Kritik und Analyse der kapitalistischen Gesellschaft. Ihr Gegenstand ist dabei aber das einzelne Subjekt in der Gesellschaft. Damit soll eine zur marx’schen Gesellschaftswissenschaft komplementäre Subjektwissenschaft entwickelt werden. Im Gegensatz zur herkömmlichen „objektiven“ Psychologie soll nicht nur neue Erkenntnis gewonnen und ggfs. eine Verbesserung durch Anpassung erreicht werden, sondern ein Beitrag zur Erweiterung der Handlungsfähigkeit, d.h. der freien Entwicklung der Menschen geleistet werden.

In unserer ersten Veranstaltung zur Kritischen Psychologie wollen wir eine allgemeine Einführung in die Kritische Psychologie geben und ein selbstorganisiertes Seminar zur Kritischen Psychologie gründen. Die Kritische Psychologie reicht weit über die Grenzen der herkömmlichen Psychologie hinaus. Darum richtet sich unsere Einladung ausdrücklich an alle Interessierten, nicht nur an Psychologie Student_Innen.

Mittwoch 27. Oktober 2010, 19:00 Uhr
Raum 207, Pädagogisches Institut, Von-Melle-Park 8, Uni Hamburg

Weitere Informationen:

Download des Mobilisierungsflyers (PDF) | Themen und Literatur des Seminars | Weitere Termine | Kontakt zur Vorbereitungsgruppe